Manchmal mache ich den Briefkasten auf und mir ist, als würde ich deine Handschrift auf einem Brief von dir sehen. Meine Adresse. Eckig aber schön geschrieben.
Aber irgendwie weiß ich, dass nie mehr ein Brief von dir in meinem Briefkasten liegen wird. Irgendwie.
Manchmal frage ich mich, ob meine Liebe zu Hamburg durch dich kommt. Ich weiß noch, wie du mir von den großen Containerschiffen erzählt hast. Damals saßen wir auf dem Rad. Nur du und ich. Du wolltest unbedingt mit uns nach Hamburg…
Reisen allgemein war irgendwie dein Ding. Ich weiß noch, wie wir immer Pläne gesponnen haben, dass du in den Unterricht kommst und mich abholst und sagst: „Wir gehen jetzt auf Weltreise. Sie ist in einem Jahr wieder da.“.
Manchmal frage ich mich, was du jetzt tun würdest. Ob du da wärst, wo du die meiste Zeit deines Lebens warst. Oder ob es mal gut laufen würde. Auch mit uns.
Ich sitze manchmal da und frage mich, was du zu meinem Studium sagen würdest. Oder zu meinen Freunden. Zum Beispiel zu der mit den Lackschuhen. Ich wüsste gern, ob du sie mögen würdest.
Manchmal hätte ich dich gebraucht. Ich hätte dich sowieso öfter gebraucht, als du da warst. Aber es läuft eben nicht immer so, wie es sollte.
Ich klammer mich an den Gedanken, dass du da gewesen wärst, wenn du es hättest sein können. Dabei stimmt der Gedanke noch nicht mal. Hättest du gewollt, hättest du es gekonnt.
Gerade deshalb bin ich so dankbar für unsere letzten Tage. Auch wenn ich gegangen bin. Trotzdem. Ich bin dankbar für die Radtouren. Ich weiß nicht mehr, worüber wir alles geredet haben. Wahrscheinlich über alles, außer über uns und auch nicht darüber, dass du bald nicht mehr sein wirst.
Ou Mann, wie gern wäre ich bei dir gewesen. Das, was Bubu erzählt hat, war hart.
Beim Original war ich auch nicht dabei. Bubu aber. Ich glaub, ich kann bei so was nicht dabei sein.
Boah, aber wie ich an dir vorbeigegangen bin, das letzte Mal. Das werde ich nie vergessen. Warum bin ich an die VORBEIgegangen?
Da war nichts schönes, da war nur Angst.
Ich bin umgezogen. Ich hab dein Marzipanschwein dabei kaputt gemacht. Mein Heiligtum. Meine Reliquie. Du hättest nicht gewollt, dass ich deswegen weine, aber es ist doch fast das einzige, was ich noch habe.
Außer die Elefanten.
Ich weiß bis heute nicht, ob Elefanten deine Lieblingstiere waren. Ich würde das so gerne wissen. So gern.
Wenn ich heute einen besonders großen Mann sehe, will ich ihn immer umarmen. Ich wünsche mir dann immer, dass du das bist. Aber ich hab nie mehr einen Mann gesehen, der so groß ist wie du warst. Vielleicht die Wahrnehmung, was meinst du?
Ich muss auch immer an dich denken, wenn ich durch Celle, Seeburg oder Einbeck fahre. Oder wenn ich jemanden sehe, der behauptet, er sei ein Rocker.
Ich muss ziemlich oft an dich denken.
Aber meistens am Briefkasten. Da wünsche ich mir immer einen Brief von dir.
Veröffentlicht am 28. Juli 2010
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